Das System im Überblick

Das Taktische Luftverteidigungssystem – kurz TLVS – ist ein bodengebundenes Luftverteidigungssystem für kurze und mittlere Reichweiten. Es dient dem Schutz vor aktuellen und zukünftigen, komplexen Bedrohungen aus der Luft. Das System wird im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung, zum Schutz von Bevölkerungszentren, besonderen Sicherheitslagen und zum Schutz von Truppen im Einsatz eingesetzt. TLVS eignet sich zur Abwehr von ballistischen Kurz- und Mittelstreckenraketen, Kampfflugzeugen, Hubschraubern, Drohnen und Marschflugkörpern.

TLVS basiert auf der MEADS Entwicklung, die 2014 formal abgeschlossen wurde. Die gestiegene Bedrohungssituation in Europa erforderte eine Anpassung des Bedarfs an das zukünftige Luftverteidigungssystem. Daher umfasst TLVS weitere Systemkomponenten sowie zusätzliche Entwicklungsleistungen, die nicht Teil der ursprünglichen MEADS-Entwicklung waren. Dazu zählen unter anderem die Integration des Zweitflugkörpers IRIS-T SL, ein Mittelbereichssensor, ein optronischer Sensor, Anteile des Führungssystems SAMOC sowie ein wesentlich erweitertes Performance-Spektrum.
Zugleich berücksichtigt TLVS Technologiesprünge durch die Digitalisierung und hebt die Raketen- und Flugabwehr auf ein vollständig neues Niveau.

Eine TLVS-Einheit besteht aus einer Einsatzzentrale, drei 360°-Sensoren, Startgerät mit PAC-3 MSE Lenkflugkörper, dem Lenkflugkörpersystem IRIS-T SL zur Abwehr von Zielen im Nahbereich und einem Generatorfahrzeug.

MEADS
MEADS
TLVS
 

Vorteile gegenüber bestehenden Systemen

  • TLVS dient dem Schutz vor aktuellen und zukünftigen, komplexen Bedrohungen aus der Luft.
  • TLVS ist modular aufgebaut und verfügt über eine offene Systemarchitektur und Plug&Fight-Fähigkeit, das heißt eine standardisierte offene Systemschnittstelle und Software-Architektur zu Einbindung von neuen bzw. zusätzlichen Teilsystemen in die Gesamtsystemarchitektur. Durch die digitale Vernetzung kann es schnell mit NATO-Sensoren und Startgeräte anderer Nationen gekoppelt werden. So kann insgesamt der Schutz erhöht werden.
  • TLVS bietet einen 360-Grad-Rundumschutz und damit die Möglichkeit mehrere simultan ablaufende Raketenangriffe aus unterschiedlichen Richtungen abzuwehren.
  • High-Tech-Sensoren ermöglichen es schnelle, agile und schwer zu ortende Flugziele frühzeitig zu erkennen.
  • TLVS ist hoch mobil und kann rasch und aufwandsarm mit nationalen Transportmitteln, wie mit dem Transportflugzeug A400M, verlegt werden.
  • Aufgrund der geländegängigen Fahrzeuge wird es auch Bodentruppen bei Auslandseinsätzen bestmöglich schützen.
  • TLVS deckt mit weniger Ressourcen einen 8x größeren Schutzbereich ab als bisherige Systeme. • TLVS wird im Vergleich zu eingeführten Systemen mit deutlich niedrigeren Kosten in der Nutzung und mit sehr viel weniger Personal eingesetzt werden können, was die Durchhaltefähigkeit im Einsatz erhöht.
  • TLVS ist so konzipiert, dass es künftig noch leistungsfähigere Sensoren und Abwehrraketen einbinden kann. So können beispielsweise Laserwaffen oder Abwehrraketen gegen Hyperschallwaffen integriert werden. Möglich wird dies durch eine neuartige Software in der Einsatzzentrale.

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TLVS
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Die Unternehmen

MBDA in Deutschland wird TLVS gemeinsam mit ihrem langjährigen Industriepartner Lockheed Martin über die TLVS GmbH realisieren. Zudem sind deutsche Partnerfirmen und zahlreiche spezialisierte klein- und mittelständische deutsche Zulieferbetriebe als Unterauftragnehmer an der Realisierung des Systems beteiligt. Mit TLVS wird Deutschland erstmalig über nationale Gesamtsystem-Kompetenzen im Bereich der Luftverteidigung verfügen. Deutschlands Luft- und Raumfahrtindustrie und insbesondere MBDA in Deutschland wird eine zentrale Rolle bei der Realisierung des Projekts spielen. An den beiden MBDA Standorten in Schrobenhausen und Freinhausen wird das neue Luftverteidigungssystem entwickelt, getestet und produziert.

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Die Basis: MEADS

TLVS basiert auf den MEADS Entwicklungsergebnissen, deren Entwicklung 2014 formal abgeschlossen wurde. Die gestiegene Bedrohungssituation in Europa erfordert allerdings eine Anpassung des Bedarfs an das zukünftige Luftverteidigungssystem. Während der MEADS Entwicklung erfolgten bereits umfangreiche Tests, die die Einsatzfähigkeit unter Beweis stellten:

2014: Einzigartige Plug-&-Fight-Fähigkeit in Tests nachgewiesen
Zum Abschluss der Entwicklungsarbeiten MEADS schließt das taktische Luftverteidigungssystem MEADS (Medium Extended Air Defense System) erfolgreich umfassende Systemdemonstrationen ab.
Bei den zweiwöchigen Tests und Demonstrationen auf dem Luftwaffenstützpunkt in Pratica di Mare (Italien) zeigte das System MEADS seine neuartigen Fähigkeiten in einem operationellen Umfeld. Die Tests wurden dabei auch von deutschen und italienischen Soldaten durchgeführt. Dabei wurden unter realitätsnahen, repräsentativen Einsatzbedingungen MEADS Systemelemente ohne Unterbrechung des Einsatzes hinzugefügt und entfernt. Des Weiteren wurden die Interoperabilitätsfähigkeiten von MEADS mit anderen Systemen überprüft, indem MEADS in einem größeren Systemverbund problemlos betrieben wurde. MEADS ist aufgrund seiner offenen Systemarchitektur und Plug-and-Fight-Fähigkeit mit anderen Luftverteidigungs-systemen, Sensoren und Effektoren kompatibel. Diese Funktionalitäten helfen, die Durchhaltefähigkeit im Einsatz zu erhöhen und ermöglichen es flexibel auf Bedrohungslagen zu reagieren.

2013: MEADS gelingt simultanes Abfangmanöver gegen zwei Flugziele
Als weltweit erstes Luftverteidigungssystem hat MEADS (Medium Extended Air Defense System) zwei aus entgegengesetzten Richtungen gleichzeitig anfliegende Ziele (ein Starrflügler und ein ballistischer Flugkörper) erfolgreich erfasst, verfolgt und zerstört. Mit diesem anspruchsvollen Testszenario auf der White Sands Missile Range, USA, wurden die außergewöhnlichen Luftverteidigungsfähigkeiten von MEADS – insbesondere der 360-Grad-Rund-um-Schutz – demonstriert. Alle von den Kunden vorgegebenen Testkriterien wurden erfüllt.

2012: Erster Testschuss gegen eine Drohne
Das Luftverteidigungssystem MEADS (Medium Extended Air Defense System) fängt in einer ersten Testkampagne eine Zieldrohne, die ein bemanntes Flugziel darstellt, ab. Bei dem Test auf der Testrange in White Sands, USA, wird eine MQM-107 Drohne erfasst, verfolgt und präzise getroffen.

2011: Verschuss „über die Schulter“
Das Luftverteidigungssystem MEADS (Medium Extended Air Defense System) absolviert erfolgreich seinen ersten Testschuss am 17. November 2011 auf dem amerikanischen Testgelände in White Sands.
Der Flugkörper PAC-3 MSE (Missile Segment Enhancement) wurde dabei aus einem MEADS Startgerät mit Unterstützung des BMC4I Gefechtsstands verschossen.
Der PAC-3 MSE Flugkörper wurde hierbei gegen ein simuliertes Ziel eingesetzt, das sich entgegen der Startrichtung des Flugkörpers befand. Für diesen Verschuss „über die Schulter“ war ein kompliziertes Flugmanöver notwendig. Der Flugkörper musste nach dem Verlassen des Startkanisters umgehend durch seine Querschubsteuerung entgegen der Verschussrichtung gedreht werden um im Direktanflug das Ziel zu bekämpfen. Damit konnte die 360-Grad-Fähigkeit von MEADS belegt werden.

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