TLVS/MEADS

Das System im Überblick

Die Bundeswehr will bis zum Jahr 2025 ein neues taktisches Luftverteidigungssystem (TLVS) auf MEADS (Medium Extended Air Defense System)-Basis einführen. Es löst das bisher genutzte System Patriot ab – ein Überblick.

TLVS/MEADS ist ein bodengebundenes Luftverteidigungssystem für kurze und mittlere Reichweiten.  Es wird zum Schutz von Bevölkerungszentren und Truppen im Einsatz eingesetzt. Das System eignet sich zur Abwehr von taktisch-ballistischen Kurz- und Mittelstreckenraketen, Kampfflugzeugen, Hubschraubern, Drohnen und Cruise Missiles. Das System bietet einen 360-Grad-Rundumschutz. Eine offene Systemarchitektur und Plug&Fight-Fähigkeit ermöglicht es, je nach Bedrohungslage, weitere Radare und Startgeräte an die MEADS-Einsatzzentrale anzubinden und darüber zu steuern. Zudem können auch Flugkörper, die im oberen Abfangbereich wirken, bzw. Systeme, die für den Nah- und Nächstbereichsschutz gedacht sind, angebunden werden.

TLVS/MEADS ist mobil und kann mit dem Transportflugzeug A400M verlegt werden. Außerdem wird es im Vergleich zu eingeführten Systemen mit deutlich niedrigeren Kosten in der Nutzung und mit sehr viel weniger Personal eingesetzt werden können, was die Durchhaltefähigkeit im Einsatz erhöht. TLVS/MEADS wird darüber hinaus weitere Komponenten enthalten, die nicht Teil von MEADS waren. Dazu zählen unter anderem die Integration des Zeitflugkörpers IRIS-T SL sowie des Führungssystems SAMOC.

Das NATO Missile Defense-Konzept sieht sowohl Systeme für die sog. obere Abfangschicht (zur Abwehr ballistischer Mittel- und Langstreckenraketen mit Reichweiten über 3000 km) als auch Systeme für die untere Abwehrschicht (Abwehr von taktisch-ballistischen Kurz- und Mittelstreckenraketen, Flugzeugen, Hubschraubern, Cruise Missiles) vor.

Die Funktionsweise von TLVS/MEADS

Die Vorteile von TLVS/MEADS in Deutschland

Die Kostenvorteile von TLVS/MEADS

Deutschlands Kompetenzzentrum für Luftverteidigung in Europa

Es ist eine wegweisende Entscheidung für die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie. Mit TLVS/MEADS wird Deutschland erstmalig über nationale Gesamtsystem-Kompetenzen im Bereich Luftverteidigung verfügen. Deutschlands Luft- und Raumfahrtindustrie und insbesondere MBDA Deutschland wird eine zentrale Rolle bei der Realisierung des Projekts spielen. An den beiden MBDA Deutschland Standorten Schrobenhausen und Freinhausen wird das neue Luftverteidigungssystem fertig entwickelt, getestet und produziert.

Am Standort Schrobenhausen wurde 2013 ein neues Simulations- und Integrationszentrum für Luftverteidigungssysteme eröffnet, das bereits für die Entwicklung der MEADS-Großgeräte diente. Es wird zukünftig im Rahmen der TLVS/MEADS-Arbeiten genutzt. Ein Kernelement des Simulations- und Integrationszentrums ist das sogenannte System Integration Laboratory (SIL). Das Labor ist grundlegende Voraussetzung für die unabhängige Systemfähigkeit auf nationaler Ebene. Die Überführung der SIL von Orlando nach Schrobenhausen war Teil des Technologie und Know-how Transfers im MEADS Programm und befähigt die MBDA Deutschland, umfassende Simulations- und Integrationsarbeiten für das zukünftige MEADS-basiertes TLVS durchzuführen. Das Testgelände in Freinhausen ist einmalig in Europa.

Ein sicherer 360° Sendebetrieb von Radaren ist ebenso möglich, wie die Integration und Erprobung von Komponenten des zukünftigen TLVS/MEADS. Darüber hinaus kann das Gelände zur Vor- und Nachbereitung von Flugtests genutzt werden. Das Testgelände in Freinhausen wird heute bereits gemeinsam mit der Luftwaffe erfolgreich für Arbeiten an eingeführten Luftverteidigungssystemen genutzt. Der Standort Schrobenhausen und das Testzentrum Freinhausen wurden in den vergangenen Jahren mit signifikanten Investitionen modernisiert und ausgebaut. Zukünftig wird der Standort Freinhausen um TLVS-Aktivitäten erweitert. Neben MBDA Deutschland sind deutsche Partnerfirmen und zahlreiche spezialisierte klein- und mittelständische deutsche Zulieferbetriebe als Unterauftragnehmer an der Realisierung des Systems beteiligt. TLVS/MEADS wird die schon heute hochwertigen, deutschen Kernkompetenzen und Schlüsseltechnologien im Bereich der Luftverteidigung erhalten und weiter stärken.

 

Die wichtigsten MEADS-Tests auf einen Blick

2011: Verschuss „über die Schulter“

Das Luftverteidigungssystem MEADS (Medium Extended Air Defense System) absolviert erfolgreich seinen ersten Testschuss am 17. November 2011 auf dem amerikanischen Testgelände in White Sands.

Der Flugkörper PAC-3 MSE (Missile Segment Enhancement) wird dabei aus einem MEADS Launcher mit Unterstützung des BMC4I Tactical Operations Center verschossen.

Der PAC-3 MSE wurde gegen ein simuliertes Ziel eingesetzt, das sich entgegen der Startrichtung befand. Für diesen Verschuss „über die Schulter“ war ein kompliziertes Flugmanöver notwendig, das es in dieser Form noch nie gegeben hat. Die 360-Grad-Fähigkeit von MEADS konnte damit belegt.

2012: Erster Testschuss gegen eine Drohne

Das Luftverteidigungssystem MEADS (Medium Extended Air Defense System) fängt in einer ersten Testkampagne ein konventionelles Flugziel ab. Bei dem Test auf der Testrange in White Sands, USA, wird eine MQM-107 Drohne erfasst, verfolgt und präzise getroffen.

2013: MEADS gelingt Abfangmanöver gegen zwei Flugziele

Als weltweit erstes Luftverteidigungssystem hat MEADS (Medium Extended Air Defense System) zwei aus entgegengesetzten Richtungen gleichzeitig anfliegende Ziele erfolgreich erfasst, verfolgt und zerstört. Mit diesem anspruchsvollen Testszenario auf der White Sands Missile Range, USA, wurden die außergewöhnlichen Luftverteidigungs-Fähigkeiten von MEADS – insbesondere der 360-Grad-Rund-um-Schutz – demonstriert. Alle von den Kunden vorgegebenen Testkriterien wurden erfüllt.

2014: Einzigartige MEADS Plug-&-Fight-Fähigkeit in Tests nachgewiesen

Das taktische Luftverteidigungssystem MEADS (Medium Extended Air Defense System) schließt erfolgreich umfassende Systemdemonstrationen ab.

Bei den zweiwöchigen Testläufen auf dem Luftwaffenstützpunkt in Pratica di Mare (Italien) handelte es sich vor allem um Demonstrationen in einem operationellen Umfeld.  Die Tests wurden auch von deutschen und italienischen Soldaten durchgeführt. Dabei wurden unter realitätsnahen, repräsentativen Einsatzbedingungen Systemelemente ohne Unterbrechung des Betriebes hinzugefügt und entfernt. MEADS wurde außerdem mit anderen Systemen in eine größere Systemarchitektur überführt und dort problemlos weiterbetrieben. MEADS ist aufgrund seiner offenen Systemarchitektur und Plug-and-Fight-Fähigkeit mit anderen Luftverteidigungs-Systemen, Sensoren und Effektoren kompatibel. Diese Funktionalitäten helfen, die Durchhaltefähigkeit zu erhöhen und ermöglichen, flexibel auf Bedrohungslagen zu reagieren.

TLVS/MEADS

Fragen & Antworten

1. Welchen Schutz kann TLVS/MEADS bieten?
TLVS/MEADS ist ein bodengebundenes Luftverteidigungssystem für kurze und mittlere Reichweiten.  Es wird zum Schutz von Bevölkerungszentren und Truppen im Einsatz eingesetzt. Das System eignet sich zur Abwehr von taktisch-ballistischen Kurz- und Mittelstreckenraketen, Kampfflugzeugen, Hubschraubern, Drohnen und Cruise Missiles.

 

Das NATO Missile Defense-Konzept sieht sowohl Systeme für die obere Abfangschicht (zur Abwehr ballistischer Mittel- und Langstreckenraketen mit Reichweiten über 3000 km) als auch Systeme für die untere Abwehrschicht (Abwehr von taktisch-ballistischen Kurz- und Mittelstreckenraketen, Flugzeugen, Hubschraubern, Cruise Missiles) vor.

Das amerikanische Raketenabwehrsystem, das in Europa aufgebaut werden soll, ist für die Abwehr von Bedrohungen in der oberen Abfangschicht vorgesehen (dazu gehören Systeme wie THAAD oder SM3).

Für den klassischen Objektschutz (wie Anlandehäfen, Flugplätze, Munitions- und Treibstoffdepots) kommen Systeme im Nah- und Nächstbereich in Betracht. Heute bei der Bundeswehr dafür eingeführte Systeme sind LeFlaSys/Stinger und Mantis.

2. Welche neuen Fähigkeiten bietet TLVS/MEADS?
TLVS/MEADS bietet einen 360-Grad-Rundumschutz gegen taktisch-ballistischen Kurz- und Mittelstreckenraketen, Kampfflugzeugen, Hubschraubern, Drohnen und Cruise Missiles.

 

Eine offene Systemarchitektur und Plug&Fight-Fähigkeit von TLVS/MEADS ermöglicht es, je nach Bedrohungslage, weitere Radare und Startgeräte an die MEADS-Einsatzzentrale anzubinden und darüber zu steuern. Die offene Systemarchitketur  bietet den Vorteil, an MEADS auch Flugkörper, die im oberen Abfangbereich wirken, bzw. Systeme, die für den Nah- und Nächstbereichsschutz gedacht sind, anzubinden.

TLVS/MEADS ist mobil und kann mit dem Transportflugzeug A400M verlegt werden. Außerdem wird TLVS/MEADS im Vergleich zu eingeführten Systemen mit deutlich niedrigeren Kosten in der Nutzung und mit sehr viel weniger Personal eingesetzt werden können, was die Durchhaltefähigkeit im Einsatz erhöht.

3. Welche weiteren Entwicklungsarbeiten sind für TLVS/MEADS notwendig?
Derzeit gibt es neben MEADS kein vergleichbares Luftverteidigungssystem, das die von der Bundeswehr geforderten Fähigkeiten bei gleicher Entwicklungsreife erfüllt. Wesentliche Funktionalitäten (360 Grad-Fähigkeit, offene Systemarchitektur, Mobilität) wurden im Gesamtsystemverbund nachgewiesen. Sie müssen im Vergleich zum Alternativvorschlag nicht noch einmal entwickelt und bezahlt werden.

 

Bei den noch anstehenden Entwicklungsaufgaben geht es im Kern um die Anpassung an nationale Bedürfnisse der vorliegenden Entwicklungsergebnisse, z.B. um die Integration des Zweitflugkörpers IRIS-T SL und die Robustifizierung der MEADS Komponenten für den operativen Einsatz.

4. Hat Deutschland uneingeschränkten Zugriff auf die im trilateralen Programm erzielten Entwicklungsergebnisse?
Die MEADS-Entwicklungsergebnisse stehen der Bundesrepublik Deutschland zur Verfügung. Der vollständige Zugriff auf die Entwicklungsergebnisse ist vertraglich fixiert und durch entsprechende technische Archivierungsmaßnahmen in Deutschland  sichergestellt.

 

Im Rahmen des Know-how Transfers wurde u.a. ein „System-Integrations-Labor“ aus den USA nach Deutschland (Schrobenhausen) transferiert. Damit ist ein Kernelement für eine unabhängige Systemfähigkeit auf nationaler Ebene gegeben. D.h. bei MEADS existieren keine „black boxes“ wie bei eingeführten Systemen.

Deutschland, Italien und die Vereinigten Staaten haben außerdem einen „Letter of Intent“ (LoI) zur weiteren Zusammenarbeit geschlossen. Darin sichern die USA ihre Unterstützung der künftigen MEADS-basierten Aktivitäten in Deutschland zu. Der amerikanische Rüstungsdirektor Frank Kendall hat dies im November 2014 (laut Medienberichten) bestätigt. Auch die Industriepartner der MBDA, insbesondere Lockheed Martin Corporation, MBDA Italien, SELEX und Airbus Defence and Space haben ihre weitere uneingeschränkte Unterstützung für MEADS-basierte Aktivitäten in Deutschland zugesagt.

5. Welche Kostenaspekte wurden bei der Beschaffung von TLVS/MEADS berücksichtigt?

Neben den Entwicklungs- und Beschaffungskosten betrachtet der Kunde richtigerweise auch die Lebenszykluskosten neuer Systeme. Das ist gerechtfertigt, denn deren Lebensspanne beträgt mehrere Jahrzehnte. Auch im Betrieb weist MEADS deutlich niedrigeren Kosten im Vergleich zu anderen Systemen auf, insbesondere wegen eines deutlich reduzierten Personalbedarfs und deutlich gesenkter logistischer Kosten. Eine der zentralen Forderungen zu Beginn der Entwicklung von MEADS (2004) war, ein künftiges Luftverteidigungssystem zu entwickeln, das deutlich niedrigere Nutzungskosten als eingeführte Systeme aufweist.

 

Entwicklungs- und Beschaffungskosten werden zwischen BMVg/BAAINBw und Industrie verhandelt. MBDA Deutschland GmbH hat am 28. September 2016 das Angebot für die Entwicklung des zukünftigen deutschen Taktischen Luftverteidigungssystems (TLVS) an das BAAINBw (Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr) übermittelt. Dieses Angebot wird verhandelt, erst am Ende der Verhandlungen wird ein Vertrag geschlossen werden.

6. Gibt es nach der deutschen Auswahlentscheidung für TLVS/MEADS auch internationales Interesse?
In verschiedenen Staaten wird zurzeit über eine Neuausrichtung der bodengebundenen Luftverteidigung  nachgedacht. Polen, Schweden, USA und Türkei prüfen die Nutzung der MEADS-Entwicklungsergebnisse für ihre zukünftige Luftverteidigung.

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Fotos, Videos und Infografiken

Fotos

 

Videos

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MEADS System

MEADS Target Set

ADS A400M Roll-on

MEADS Flight Test 1

MEADS Flight Test 2

Infografiken

 

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